26042019Fr
Letzte Aktualisierung:Do, 25. 04. 2019

Sri Lanka - Dreh- und Angelkreuz Asiens

colombo nightSri Lanka ist nicht nur ein Urlaubsparadies, sondern auch Dreh- und Angelkreuz für den Warenverkehr von und nach Asien.

Sri Lanka liegt an der Südspitze Indiens und damit genau entlang der wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Südasien. Durch diese günstige geostrategische Lage lohnt sich der Blick auf den asiatischen Inselstaat auch für deutsche Unternehmer.

Es war das erste Land Südasiens, das schon in den 70er Jahren die eigene Wirtschaft liberalisiert hat. Zwar wurde der wirtschaftliche Aufschwung durch den 30-jährigen Bürgerkrieg stark beeinträchtigt, aber seit Ende des Krieges, im Jahr 2009, entfaltet der kleine Inselstaat zunehmend sein wahres Potential. Eindrucksvolles Beispiel hierfür ist das Bruttoinlandsprodukt, das in dem Zeitraum von 2009 bis 2013 um über 33 Prozent ( im Durchschnitt 7,3 Prozent pro Jahr) gestiegen ist. Dieses Wachstum verdankt das Land nicht nur dem gestiegenen Touristenaufkommen, sondern auch einem starken Wachstum im Außenhandel. So sind die Exporte in diesem Zeitraum um fast 64 Prozent gestiegen, während die Importe um fast 80 Prozent zulegten. Die wichtigsten Handelswaren die Sri Lanka exportiert sind Bekleidung, Gummiprodukte und Tee. Im Bereich Bekleidung, dem Hauptexportartikel Sri Lankas, exportierte das Land 2013 Waren im Wert von 4,3 Mrd. US Dollar. Hiervon importierte Deutschland Waren im Wert von fast 200 Millionen Euro, von denen knapp 50 Prozent nach Nordrhein-Westfalen gingen. Aus Deutschland bezieht Sri Lanka vornehmlich Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und Kraftfahrzeuge Nordrhein-Westfalen sind es hauptsächlich Maschinen, chemische Erzeugnisse und Textilien.

Dieses starke Wachstum im Außenhandel Sri Lankas entspricht der sogenannten „5 Hub Strategy“, nach welcher die Regierung das Land zu einem Knotenpunkt in den Bereichen Schifffahrt, Luftfahrt, Handel, Bildung und Energie ausbauen möchte. Im Bereich des Handels geschieht dieser Ausbau unter anderem durch massive Investitionen in die Infrastruktur. Ziel dieser Strategie ist, durch einen Ausbau der besagten Bereiche das Potenzial des Landes, welches sich aus seiner geostrategischen Lage erschließt, in vollem Umfang nutzbar zu machen.

Eckdaten Sri Lanka
Landfläche 62.705 km²
Bevölkerung 20.328,00
Arbeitskräfte 8.464.706
Arbeitslosigkeit 3,50%
BIP (zu Marktpreisen) in US$ 59,4 Milliarden
BIP pro Kopf (zu Marktpreisen) in US$ 3.280,00
Außenhandel
Import in Millionen US$ 2.716.464
Export in Millionen US$ 1.899.852
Import aus Deutschland in Millionen Euro 254,17
Export nach Deutschland in Millionen Euro 448,60
Sprachen Singhalesisch, Tamilisch, Englisch als Geschäftssprache
Alphabethisierungsrate 92,20%

 

So wurde die Container-Kapazität des Colombo Port von vier auf ca. zwölf Millionen TEU erweitert. Mit dem neuen Hambantota Port wurde ein weiterer Hafen vergleichbarer Größe geschaffen. In gerade einmal 20 Kilometer Entfernung zu diesem Hafen wurde auch der neue Mattala Rajapaksa International Airport errichtet. Dieser zweite internationale Flughafen des Landes soll den Flughafen bei Colombo hinsichtlich des steigenden Touristenaufkommens entlasteten und die Luftfrachtkapazität des Landes erhöhen

Mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur kam es 2011 zur Eröffnung der ersten Autobahn Sri Lankas. Gleichzeitig wurden auch zahlreiche Straßenbauprojekte aufgenommen und weitere Autobahnen geplant, um die Infrastruktur des Landes an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Ausstattung von Industriegebieten mit einem schnell zugänglichen Straßennetz: Die neuen Autobahnen sind so angelegt, dass Industriezentren, die vornehmlich für den Export produzieren, besonders von diesen neuen Verkehrswegen und den verkürzten Transportzeiten profitieren.

Solche Industriezentren stehen zumeist unter dem Mandat des Sri Lanka Board of Investment (BOI), einer Behörde des Landes, welche bereits in den 70er Jahren gegründet wurde. Aufgabe des BOI ist es, Investoren, die in die Exportwirtschaft des Landes investieren wollen, zu unterstützen. So bietet das BOI Investoren Unterstützung aus einer Hand: Es hilft bürokratische Hürden zu meistern, steht bei Fragen rund um Sri Lanka bereit und kann besondere Vergünstigungen gewähren.

Das BOI ist in der Lage Unternehmen gezielt zu unterstützen. Speziell exportorientierte Unternehmen kann es für eine Zeit von bis zu zwölf Jahren von Steuern und Importzöllen für Produktionsgüter und Rohstoffe befreien. Gleiches gilt für Projekte von nationalem Interesse, wie der Ausbau der Infrastruktur oder des Bildungswesens. Ebenso wird der Energie-Sektor aufgrund des erwarteten Wirtschaftswachstums als besonders förderungswürdig betrachtet, wobei hier die erneuerbaren Energien an erster Stelle stehen.Ausländische Investitionen und Verträge mit dem BOI sind von der Verfassung garantiert und können selbst von wechselnden Regierungen nicht angetastet werden

 

Gezielte Unterstützung von Unternehmen

Durch die genannten Modernisierungen gewinnen auch die Freihandelsabkommen, welche Sri Lanka mit Indien und Pakistan unterhält, an Attraktivität Hierdurch können Produkte, die zu mindestens 35 Prozent in Sri Lanka hergestellt wurden, zollfrei in diese Länder eingeführt werden.

Auch der Ausbau des Bildungssystems wird im Rahmen der „5 Hub Strategy“ vorangetrieben. Sri Lanka hat im Südasiatischen Raum mit 92,2 Prozent die höchste Alphabetisierungsrate der Region. Die Arbeitskräfte des Landes haben sich den Ruf erworben, besonders lernfähig zu sein. Für Sri Lanka bleibt Bildung der wichtigste Schlüssel für die Zukunft: Beispielsweise nahm das Land diesen März einen 100 Millionen US Dollar Kredit bei der Asian Development Bank auf, um den Bereich „Technical and Vocational Education Training (TVET)“ weiter auszubauen. TVET bezeichnet ein Ausbildungssystem, welches, ähnlich dem dualen Ausbildungssystem Deutschlands, darauf ausgerichtet ist die Lücke zwischen Schulbildung und den Bedürfnissen der modernen Arbeitswelt hinsichtlich praktischer Erfahrung zu schließen.

In Anbetracht der beschriebenen Aktivitäten der Regierung, das Land entlang diesen fünf Säulen auszubauen und an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts anzupassen ist mit einem weiteren Anstieg des Wirtschaftswachstums zu rechen. Zu diesem Schluss kommt auch die Coface Gruppe in einer aktuellen Analyse, derzufolge das Land gute Aussichten hat in seiner wirtschaftlichen Entwicklung den BRICS-Staaten zu folgen.

Dementsprechend sollte das Land vor allem auch für die Unternehmen der Bau- und Maschinenbaubranche von Interesse sein, da, bedingt durch den beschriebenen Wirtschaftsaufschwung, ein entsprechend hoher Bedarf an modernen Maschinen zu erwarten ist.