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Letzte Aktualisierung:Do, 25. 04. 2019

Tropischer Lokalkolorit: Frühe Fotografien aus Ceylon

dahlemopening1Von Ceylon, dem heutigen Sri Lanka schwärmen sogar Personen, die nie dort gewesen waren, Karl May zum Beispiel. Seitenlang beschrieb er Berglandschaften, Teeplantagen und gigantische Wasserfälle – die er alle nur von Ansichtskarten kannte. Es waren diese Fotografien, die im Europa der Jahrhundertwende das Bild Ceylons als wildromantisches Arkadien prägten. Im Museum für Asiatische Kunst (Lansstr. 8, bis 5. Januar) sind sie derzeit unter dem Titel „Landscapes of Sri Lanka – Frühe Fotografie in Ceylon“ zu sehen.

Das Fotografieren der Landschaft sowie der Arbeitsbedingungen war in erster Linie im Interesse der britischen Kolonialherren. Sie wollten den Fortschritt dokumentieren, den sie nach Ceylon brachten; und so sind neben einfachen Bauern Gutsbesitzer in ihren Pavillons zu stehen, gerodet Wälder, erste Eisenbahnen. Die Fotografen, die damals im Land arbeiteten – unter ihnen William Skeen, Charles Thomas Scowen, aber auch der gebürtige Hamburger Alfred William Amandus Plate – schlossen mit ihren Aufnahme aber auch bald eine Marktlücke. Die Exotik Ceylons wurde zum seltenen, begehrten Postkartenmotiv der europäischen Oberschicht. Auch deshalb sind die Fotos bis heute gut erhalten, teils in mehreren Ausführungen.

Den um die Vorstellungen der Europäer nicht zu enttäuschen, griffen die Fotografen schon 1870 in die Trickkiste. Scowen verwendete für sein Bild „Reisfelder“ zwei Negative, die er übereinander legte – damit der Himmel wolkenverhangenen und somit besonders tropisch wirkte. Auch Flora und Fauna waren beliebte Motive; Europa sehnte sich nach dem Dschungel, dem tropischen Lokalkolorit. Dass dieses im Zuge der Kolonialisierung immer mehr verloren gehen würde, ist auf den Bildern schon zu erahnen.

Profitiert haben damals – neben den Kolonialherren – vor allem die Fotografen. Sie konnten sich in den Jahren des Ceylon-Booms große Studios leisten. Teils sind sie sogar selbst zu sehen: neben leicht verwunderten Einheimischen, die ihre Kameras mit Ochsengespannen durchs Land transportierten.


Quelle: Der Tagesspiegel, 21.10.2013, von Tatjana Kerschbaumer